Ziel Lofoten


zügig von Bergen nach Svolvær


Juni / Juli 2022

In der Nacht hat es geregnet, wir legen ab und segeln mit 5 Bf Wind aus Süden entspannt gegen Norden, in Shorts notabene, es ist warm, Freude herrscht. Kurz vor der Hafeneinfahrt nach Fedje gehen die Segel runter, der Motor an, wir fahren vorsichtig durch die enge Einfahrt im Norden der Insel. Der Hafen ist voll, Ursula fährt rückwärts(!) an den Schwimmsteg bei der ehemaligen Konservenfabrik, Fab Nr 8 genannt. 

Am Abend kommt die HR 342 «Bluesette» längsseits, die Eigner geben uns einige Tipps über schöne Häfen hier im Norden. 

Auf dem «Nordseeweg» gelangen wir durch Heidekraut und Moore zu einer gut ausgestatteten kleinen Schutzhütte. Via den Leuchturm im Süden sind wir bald wieder beim Schiff. 

Um 8 Uhr verlassen wir Fedje und setzen bald die Segel, Kurs NW, dem offenen Meer entgegen. Die Dünung macht uns vorerst etwas zu schaffen, es frischt jedoch bald auf und das Segeln macht Spass. Vorbei an der Insel Alden, „das norwegische Pferd“ genannt, 481 Meter hoch, eines der markantesten Seezeichens Westnorwegens. 

Leider müssen wir die letzten 15 nm bis Florø motoren, finden im verschlafenen Ort jedoch einen sicheren, gut ausgestatteten Hafen inklusiv Wifi, im Restaurant gibt es heute leider nur Pizza. Wir fotografieren ein Bild von 1956, proppenvoll mit Fischerbooten.  

Wieder unterwegs fliegt ein Papageientaucher an uns vorbei, kurz darauf machen wir einen verschissenen Vogelfelsen aus, ob er wohl von dort kommt.  

Wir biegen ein in den Vågsfjord, beeindruckende Berge beiderseits, machen fest am fast leeren Schwimmsteg im etwas heruntergekommenen Maløy. Auch hier war der Fischfang wichtig früher, zerfallende riesige Gebäude zeugen vom einstigen Fischreichtum. 

Nun fahren wir um die berüchtigte Westspitze, das Vestkapp um Stad, oder Stadlandet an 100 Tagen im Jahr brodelt das Wasser hier, 3 Meere kommen zusammen, diverse Wind- und Wettersysteme können gefährliche Kreuzseen entstehen lassen; sogar beim heutigen Traumwetter haben wir meterhohe Dünung, beeindruckend! 

Wir biegen ein in die Bucht bei Stad, zuhinterst im kleinen Hafen Honningsvåg, einem Nothafen bei Schlechtwetter, legen wir an am kleinen Schwimmsteg, idyllisch. Wir sind schon im Bett, da sind die Felsen über uns rot, Abendrot um 23 Uhr! 

Wanderung zum Storevatnet, entstanden am Ende der letzten Eiszeit. Die Vegetation ähnelt derjenigen in der Schweiz in den Bergen, nur dass alles weiträumiger, offener, wilder und gigantischer ist, Schafe schützen vor der Verbuschung. Vom Varaldsfoten (397müM) ist die Aussicht einmal mehr unbeschreiblich, wir sehen bis hin zu den Gletschern im Inland. 

Um 14 Uhr legen wir ab, Ziel Runde. Der Schwimmsteg für Gäste ist leer, wir legen an. Nach 20 Uhr kommt ein Folkeboot, legt längsseits bei uns an, Mutter und Sohn, unterwegs nach Tromsø. 

Auf der Insel Runde liegt Norwegens südlichste Brutkolonie für Seevögel. Wir bestaunen viele Papageientaucher und Tölpel, die unermüdlich ihre Brut verpflegen. 

Eine Garcia 45 kommt längsseits, sucht Schutz vor dem angekündigten Starkwind. In der Nacht fegt der Wind tatsächlich mit Böen bis 39 Kn über uns hinweg und zerrt an den Leinen. 

Der Wind schiebt uns tags darauf nach Ålesund, wo wir einen Platz finden im Stadthafen; Etappenziel erreicht! Wir sitzen im Cockpit bei 18 Grad und geniessen den Abend. Vergebens suchen wir die Dusche, es gibt keine! Ein öffentliches WC finden wir am Ende des Hafens, immerhin. Wir schlendern durch die Gassen der Jugendstil-Stadt. Hübsch. 

R bemerkt mit Schrecken, dass unsere Navionics-Karte auf dem Plotter in Kristiansund endet.  

Mit gutem Wind und Regen segeln wir bis vor die Hafeneinfahrt Molde, wo uns ein auslaufendes Fährschiff per Funk auffordert, nach Steuerbord auszuweichen. Wir bergen rasch die Genua und gehorchen. Anschliessend machen wir im verschlafenen Hafen bei Regen fest und bleiben drinnen an der Wärme. 

Am nächsten Morgen hat Roger den Schlechtwetter-Blues, da hilft nur eins: ablegen in Richtung Lofoten! 

2 Meter hohe Wellen, empfangen uns, der Wind weht genau von achtern mit 5 Bf, das Meer bleiern, der Horizont grau, Regen, die Sicht eher schlecht. Ein roter Tanker zieht als Farbkleks an uns vorbei, ein deutscher Segler taucht aus dem Nichts auf, zieht an uns vorbei, winkt. Die Windrichtung ändert sich später zu unseren Gunsten, die Wellen werden etwas kleiner, der Regen konstant, nun kommen wir gut voran. 

Kurz vor Kristiansund klart es auf, wir sehen nun die Inselchen und Untiefen rechts und links von uns; sehr willkommen nach einem eher anstrengenden Tag.  

Ausgeschlafen schlendern wir heute ohne Regen durch die die Klippfisch-Stadt, beim „Sandblost“ können wir die navionics chart Norwegen kaufen; am Abend gehen wir ins Restaurant Smia (ehemalige Schmiede), das Ambiente stimmt, das Essen ist fein (Klippfisch für Roger und Bacalao für Ursula). 

  • Fedje. Diese Kleinstfähre fährt per Knopfdruck autonom auf die andere Seite

  • Fedje

  • Insel Fedje, das Hellisøy fyr

  • Das Licht wechselt in Fedje

  • Insel Alden. Imposanter Fels im Wasser

  • auf dem Varaldsfoten (397m), Halbinsel Stad.

  • Aussicht vom Varaldsfoten

  • Stad/Honningsvåg. Bei harschen Bedingungen um Stad ist diese Bucht ein willkommener Ort zum Abwettern

  • Runde. Mit dem Folkeboot unterwegs nach Tromsø.

  • schönes Ålesund

  • Ålesund Panorama

    Wir verlassen Kristiansund, es wird bald etwas ruppig, der Wind böig, Regen setzt ein. In der Trondheimsleia bläst es nun richtig stark mit 7 Bf direkt von achtern, die Wellen sind nicht zu hoch, die Böen jedoch unangenehm.  

    Zwischen der Insel Hitra und Børøya machen wir kurz vor 18 Uhr bei strömendem Regen am Schwimmsteg in Børøysund fest, notabene bei immer noch 23 Kn Wind. 

    Es wird bald ruhiger draussen, der Regen kommt und geht, wir sitzen an der Wärme und sind zufrieden. Am Steg gibt es Strom, das Hafengebäude ist jedoch verwaist, die Toiletten geschlossen. 

    Kurz vor 12 Uhr starten wir, es hört kurz darauf auf zu regnen. Der Wind von 4Bf kommt aus der richtigen Richtung, mal sehen wir etwas von der Umgebung, mal nichts. Um etwa 14 Uhr erahnen wir die Umrisse des gewaltigen Tønnølsfjellet. 

    Wir wollen bis Rødvik durchzufahren, es ist ja immer hell. Nur schläft leider der Wind gegen 20 Uhr ein, wir müssen motoren. Um 21:30 bricht die Sonne durch, wir fahren durch ein Gebiet, gespickt mit Untiefen, rechts und links von uns brechen sich die Wellen an den knapp an der Oberfläche endenden Felsen, ein Schauspiel! 

    Etwas später taucht die Sonne die Bergmassive an der Küste in ein goldgelbes Licht, die Konturen zeichnen sich scharf ab. Regengüsse an Land kreieren Regenbögen, die Natur bietet uns alles im Grossformat. Der Sonnenuntergang vor Mitternacht dauert ewig, kurz vor dem Versinken ins Meer zaubert die Sonne ein Abendrot an die Berghänge. 

    Um 0330 machen wir in Rørvik fest, gehen schlafen und werden gegen 9 Uhr von der Sonne geweckt. Rørvik ist ein sehr gut geführter Hafen, 2 Schwestern schauen zum Rechten, wissen sie nicht weiter, rufen sie ihren Vater an.  

    Hinter uns am Schwimmsteg liegt die „Lucy“, eine Najad, sie liegt im Winter jeweils in der Halle in Toft, sie verkaufen uns eine Flasche Camping-Gas. Eine Selbstbau-Schweizer Segeljacht legt am Steg nebenan an. Es sind Genfer, sie offerieren uns eine Flasche griechischen Wein. Wir plaudern, Dominique und Thérèse. 

    Wir fahren hinaus, ausserhalb des Schärengürtels ist heute mehr Wind angesagt und es hat tatsächlich mehr, die Wellen jedoch sind unangenehm, die Tiefen variieren von 15 bis 300 Meter, wir machen trotzdem gut Strecke mit raumem Wind.  

    Die untergehende Sonne färbt den Himmel gelbrosa, die Bergspitzen leuchten im Abendrot. Kurz nach Mitternacht machen wir in Forvik fest; eine Perle, ein kleiner Gästesteg mit Strom, Duschen und alles sehr schön gelegen, am Fuss eines breiten, mächtigen Bergmassives. 

    Heute ist ein Sommertag mit 20 Grad, keine Wolken am Himmel, kein Wind. Wir schlängeln uns durch die Inselwelt und bestaunen die Schären, Hügel und Berge mit Schneeresten. Die Szenerie hier oben ist einmalig, wir können nicht genug davon bekommen. Ein immenser langgezogener Brocken von einem Berg, der Grat wie ein Dino-Rückgrat, begleitet uns während Stunden, wir sehen ihn linkerhand vor uns, fahren an seiner Südseite vorbei und er begleitet uns rechterhand. 

    Am Ufer betreiben etliche Bauernbetriebe Graswirtschaft, Siloballen liegen herum. Fähren kreuzen unseren Weg, überholen uns, die Dörfer hier auf den Inseln scheinen gut vernetzt mit dem Festland.  

    Im grossen Hafen in Nesna machen wir fest, es beginnt gerade zu regnen. Im gemütlichen, geheizten Aufenthaltsraum mit Küche, sind auch die Duschen und die Waschmaschine untergebracht. 

    Ursula trifft einen Kajakfahrer, er ist unterwegs von Stavanger nach Bodø. Etwas später paddelt er am Schiff vorbei und wir wünschen einander alles Gute. 

    Der Wind weht weiterhin anderswo, wir fahren durch die Wunderwelt des Nordens bei wunderbarem Wetter und überqueren den nördlichen Polarkreis, fotografieren ein „Arctic Circle Monument“, sehen den Svartisen-Gletscher, das wird immer besser hier oben. 

    Um 16 Uhr machen wir am leeren Gästesteg in Bolga fest (das ist der Berg mit dem Loch), bis am Abend ist der Steg voll. Ein kleiner Spaziergang durch das Dorf, ein Apero auf dem Schiff, Tagesfisch im Restaurant, ein geschenkter Tag. Eigentlich haben wir seit Wochen geschenkte Tage.... 

    Gegen 17 Uhr laufen wir in Bodø ein, der Hafen ist voll. Wir wollen längsseits zu einem Polen gehen, der ist „not very amused“. Zuhinterst im Hafenbecken finden wir in der privaten Marina an der Aussenseite des Schwimmsteges Platz.  Es regnet in Strömen, alles grau in grau, die Fender quietschen, der Wind drückt uns an den Steg. Wir helfen einem Katamaran anlegen; Strandputzer, sie haben 2.7 Tonnen Strandmüll gesammelt diese Saison in Nordnorwegen. Wir verziehen uns ins warme Schiff, gegen Abend lässt der Regen nach, immerhin.  

    Es ist trocken am nächsten Morgen beim Ablegen. Unter Segel bestaunen wir wieder und wieder die beindruckende Landschaft. Die Rinnen durch die Schären, sie meist von NE nach SW, sind oftmals betonnt. Auf einer Markierung sitzt ein Seeadler, er wirkt etwas zerzaust, nasses Gefieder nach dem letzten Regenguss.  

    Wir machen fest im kleinen Hafen Helnessund und geniessen die warme Dusche im gut geführten Hafen; es hat einen geheizten Aufenthaltsraum, eine Küche. 

    Bei gutem Wetter legen wir ab, kein Wind. Die Fahrt an Untiefen vorbei ist nicht immer ganz einfach. Ursula nimmt plötzlich das Gas zurück und meint trocken: „I ha gloub dr Igang verpasst“, dreht am Steuer findet die Durchfahrt. Etwas später geniessen wir die spektakuläre Fahrt durch das enge, betonnte Fahrwasser. Es endet bei einem kleinen Ort, Nordskot. Bojen liegen aus sowie ein Schwimmsteg, gut geschützt unter einem hohen Berg.  

    Nun queren wir das offene Wasser, können segeln und sehen die Lofoten vor uns. Hohe, spitze, schroffe Berge.  

    In Svolvaer finden wir einen Platz neben der „Bluesette“, spontan trinken wir einen Apero zusammen bei uns auf dem Schiff, tauschen die E-Mail-Adressen. Sie schicken uns die Adresse bezüglich eines Winterstandplatzes für unsere Merci in Stavanger. 

    Wir vertreten uns noch die Beine im quirligen Svolvaer, essen anschliessend wie geplant ein Fondue (mit dem letzten Käse von Yvonne und Max (Merci!). 

    Whow, wir sind auf den Lofoten, es ist der 17.Juli 2022. 

    • Ålesund achteraus

    • Kristiansund. Das Fiske Restaurant Smia war früher eine Schmitte.

    • kleiner Hafen in Forvik. 

    • wir überqueren den Polarkreis

    • Landschaft wie ein Gemälde

    • Landschaft wie ein Gemälde

    • Die Welle bricht über einer Untiefe


      "von Bergen nach Svolvær", 22.06.2022-17.07.2022

      Strecke: 684nm (342nm Segel, 342nm Motor)
      Motor: 61 Std
      Übernachtungen. 25
      Orte: 16

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