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April-Mai 2024
von Kappeln (D) segeln wir über Dänemark. den Skagerrak nach Norwegen und weiter zu den Shetlands. Wind und Wetter können nicht besser sein, Wind von achtern, Wetter sonnig.

Kappeln. Am 11.4. hält uns trotz des Regens nichts mehr, wir verabschieden uns, geben den Autoschlüssel in der Werft ab und legen ab, segeln räumlich mit 4 Bf Wind, das Schiff rollt, es ist kühl, alles grau in grau. In Marstal sind leider alle Plätze zum längsseits anlegen besetzt, wir müssen mit Seitenwind an einem Pfahl belegen, Strom hats (noch) keinen, es ist stockdunkel, kein Licht am Steg, gespenstisch, wohl Folgen von der Sturmflut.

Mit viel Mühe und unter Gefluche können wir am Morgen beim Ablegen eine zweite Leine über den Pfahl werfen, die erste Leine entlasten und einholen.

Bei der Tankstelle ist alles sehr hoch. Nach dem Tanken legen wir ab und sehen, dass etwas weiter nördlich, bei der Hafeneinfahrt eine neue, schöne Tankanlage für Sportboote erstellt worden ist!!!

Von jetzt an geht’s aufwärts, wir setzen die Segel und rauschen nordwärts, bergen die Segel erst vor Kerteminde, fahren in den Kanal und können problemlos seitlich an einem neuen langen Steg anlegen. Im alten Ortsteil stehen viele Fachwerkhäuser, hübsch. Wir haben in zwei Tagen 85nm zurückgelegt, da belohnen wir uns mit einer Pizza im Restaurant.

Um 7 Uhr legen wir ab, setzen bald die Segel und legen um 1920 im verschlafenen Grenaa an. Das haben wir gut «getimt», schwere Wolken bringen ab 20 Uhr Starkwind und Regen. Heute Mittag steht das Wasser sicher 40 cm höher im Hafen, wir müssen die Fender tiefer setzen, dazu wird gewaschen, der Staubsauger aktiviert, soviel zu Ruhetag!

Der Kattegat-Strom schiebt uns heute, Tölpel machen wir aus, Eiderenten, Kormorane und Möwen. Boxenstopp in Hals, tags darauf segeln wir nach Aalborg und machen vor dem «Streetfood- Schuppen» fest. Am Abend kommen Edith und Jürg von der Boele Bonken mit dem Auto von Strandby zu uns, wir essen gut im «Ombord», ein vergnüglicher Abend.

Es ist Frühling im Limfjord, sonnig und warm, nach dem Spazieren hat am Abend der Streetfood-Schuppen geöffnet, das lassen wir uns nicht entgehen.

Es ist kühl, Böen bringen Regengüsse und Graupel. Wir hissen nur das Gross, so sind wir manövrierfähiger. Wir setzen zur Halse an und schon stecken wir fest, knapp ausserhalb des Fahrwassers. Motor an, Segel fieren, Rückwärtsgang, viel Gas und wir sind frei und kommen ohne weitere Zwischenfälle nach Fur, einem gepflegten kleinen Hafen. Der Hafenmeister hisst sogar die Schweizerfahne.

Wir werden von Ilona und Guido von der «Born to Live» zu einer Flasche Sekt eingeladen, sie sind auch unterwegs nach Shetland. Mit gemieteten Fahrrädern erkunden wir die Insel, wertvolle Molererde wird hier abgebaut.

Nach einem weiteren Segeltag sehen wir kurz vor Thyborøn die vielen Windräder und wie vor 2 Jahren auf einer flachen Sandbank die geschätzt hundert (!) Seehunde. In Thyborøn ist nichts los, die Sonne scheint, es ist etwa 8 Grad, wir gehen über den in den 1950er Jahren errichteten Dünen-Damm und erhaschen einen Blick auf die Nordsee. Eine Gedenkstätte erinnert an die Skagerrakschlacht von 1916.

die Merci kommt in Kappeln ins Wasser

das Teakdeck glänzt wie neu

Kappeln by night

Leuchtturm Schleimünde in grau

Brückenöffnung in Aalborg

Aalborg

Aalborg Industrie

Aalborg. Utzon: Kultur, Architektur und Begegnungsstätte

Installation im Utzon-Gebäude

Aalborg. in der Altstadt

Aalborg. Streetfood

Merci auf Fur (DK)

Thyborøn. Ein neues Windrad wird gebaut

    Um 10 Uhr legen wir ab in Richtung Norwegen, um 14 Uhr erwischt uns Graupel, innert kürzester Zeit liegt eine zentimeterdicke Schicht auf dem Schiff und im Cockpit. Um 16 Uhr kommt der Wind, wie angekündigt von SE mit durchschnittlich 17 Knoten, perfektes Segelwetter. Eissturmvögel fliegen elegant um die Merci, segeln knapp über der Wasseroberfläche, wunderschön. Der Wind nimmt zu, wir reffen, um 18 Uhr sind wir in einem kleinen lokalen Tief mit Windstärken bis 30 Knoten. Wir lassen die Segel gerefft für die Nacht, kommen mit 6.5 bis 7 Knoten Fahrt gut voran. Um 2030 schwimmen 4 Delfine ums Boot. Beim Kapp Lindesnes gibt es Winddreher, Böen, unruhiges Wasser, unangenehme Wellen. Dann geht’s aber wieder ruhig vorwärts, der Strom schiebt uns mit gut einem Knoten. Wir fahren entlang der Küste Norwegens, und legen am 26.4. 2024 um 13 Uhr in Tananger an, waren 26 Stunden unterwegs für 170nm.

    Wir segeln nach Stavanger Vågen, im «Blyge Harry» gibt’s live Jazz, wir essen indisch, waschen und sehen dem emsigen Treiben an der Front zu, es ist der 1. Mai, ein Feiertag.

    In Skudeneshavn fahren wir zickzack bis zuhinterst ins grosse Hafenbecken und machen vor einem Wohnhaus fest. Wir beschaffen uns Bargeld, trinken einen Cappuccino auf dem Dorfplatz und gehen wandern durch Sumpf-Moor-Heide-Seenlandschaft. Unterwegs sehen wir ein Reh, die Vögel zwitschern, R kann eine Kreuzotter fotografieren. Am Abend hat sich der Hafen gefüllt, 4 Segelschiffe liegen da, ein sehr empfehlenswerter Ort.

    Via Kopervik fahren wir weiter ohne Wind, dafür mit Nebel, vorbei an Industrie rechts und links (Alu, Stahl, seaweed to alginate), an Nobelhäusern in schönster Natur. Roger hält die Rute mit einer «Köderreihe»ins Wasser und schwupps, hängen 4 Köhler dran. Zwei davon werden in die Freiheit entlassen. Bald sind wir bei der betonnten, engen Einfahrt nach Feøy, und haben am Schwimmsteg angelegt.

    Wir machen einen Spaziergang, vorbei an der Kirche, da gibt es eine öffentliche Toilette, vorbei an vielen Schafen, die arbeiten unermüdlicher als ein Rasenmäher. Einzelstehende Häuser, teils nicht mehr bewohnt, teils wohl als Ferienhäuser genutzt, wenige scheinen ganzjährig bewohnt. Landwirtschaftliche Utensilien verrosten, es ist wunderbar entschleunigt hier, im 20.Jh stehengeblieben. Die Fähre von und nach Haugesund, die mehrmals täglich anlegt, ist die einzige «Action». Diese ist hochmodern, elektrisch, an der Anlegestelle steht Stromversorgung bereit, absolut 21.JH!

    Ein laues Lüftlein stösst uns mit 2.5 knoten Fahrt nach Espevær. Da machen wir am hohen Steg mit den weissen Gummireifen bei Bierkronå fest. Die Dusche finden wir, müssen jedoch noch 10 Kronen-Stücke besorgen, sonst wird nix mit Sauber werden.

    Es gibt viel zu sehen in Espevær: ein Hummerbecken, heute ein Museum, früher Hummerzucht im grossen Stil, hier können wir eine Glasboje kaufen; über einen UFO (!!??)-Ring aus dem Jahr 1975 wird immer noch gerätselt; ein altes Badehaus, auch ein Museum ist  geschlossen; eine noch funktionierende Kabelfähre. Es wohnen tatsächlich auch Leute hier, die Schnellfähre bringt sie rasch nach Haugesund. Der Staat ist bestrebt, das Leben auf den Inselchen aufrecht zu erhalten. Einen Joker (Dorfladenkette) gibt es auch, wir verproviantieren uns.

    In Haugesund regnet es, tags darauf scheint die Sonne und ein warmer Wind bläst uns nach Røvær, eine Perle. Ein funktionierender kleiner Ort, mit einer Fähre nach Haugesund, Schule, Kirche, Laden, Restaurant (Sjøhus), einer (gesponserten) Ausstellung über Aquakultur.

    Wir machen uns auf zum Wandern von Bucht zu Bucht, über Stock und Stein nach «Grønavika», seit der frühen Eisenzeit besiedelt. Zurück beim Fähranleger hat das Sjøhaus geöffnet, da müssen wir doch das berühmte «Komle» essen, eine Art Kartoffelklösse. Viele Leute kommen extra mit der Fähre hierher wegen dieses Menues.

    Wir legen das Hafengeld in die Kasse und motoren nach Utsira Nord, wo wir im Nordhafen vis à vis des Fähranlegers an einem etwas heruntergekommenen Betonkai anlegen. Strom und Wassser finden wir hinter den zerfallenden Containerhütten. Wir pilgern hinüber zum Fähranleger, das alte kleine Hafenbecken und die umliegenden Häuser sind oder werden renoviert. Das Restaurant ist leider geschlossen.

    Utsira ist die kleinste Gemeinde Norwegens, 200 Personen leben hier, es gibt alles hier. Die Fähre fährt mehrmals täglich nach und von Haugesund. Zugvögel rasten hier während ihrer jährlichen Reisen.

    Wir wandern über Felsen und Felder und es ist unwirklich, sieht aus wie vor Tausenden von Jahren, nur die Windräder und einige Häuser sind neu. Die Insel ist seit Ende der letzten Eiszeit bewohnt. Auf einem felsigen Hügelzug thront ein riesiger Findling, seit 11000 Jahren. Aus den Feldern haben ursprünglich Fischer Steine zusammengetragen und zu langen Zäunen aufgeschichtet. Die Schwalben sind da! Auf Utsira gibt es viele Wandmalereien. Im Joker in Utsira Süd trinken wir einen Kaffee und plaudern mit dem Besitzer.

    Ich koche vor (Apfelkuchen, Linseneintopf, Brot), die Überfahrt steht an.

    Um 7 Uhr legen wir ab, es ist warm, wir setzen die Segel und sünnelen. Zwischendurch müssen wir etwas motoren, Norwegen versinkt nach 38nm im Dunst, Sturmvögel begleiten uns. Es wird kaum Nacht, das Abendrot geht fast ins Morgenrot über, der Wind weht konstant mit etwa 17-20 Knoten, die Bohrinseln begleiten uns fast die ganze Nacht, es ist etwas unruhig, aber Schlafen ist gut möglich. Wir haben ein Formular online ausgefüllt, nun müssen wir kurz vor der Ankunft noch ein Telefon machen und uns per Funk auf CH12 anmelden und die gelbe Flagge unter der Gastlandflagge hissen. Wir dürfen im Guest-Harbour anlegen, U parkiert ein, mit vorne und hinten je 50cm Platz, der Stegnachbar hilft mit den Leinen, danke. Wir gehen ins «C’est la Vie» (tatsächlich von Franzosen geführt) essen, «Beef and Carrots», sehr fein. Es wird nicht sehr spät heute....

    Die Sonne scheint, ausgeschlafen gehen wir zur Port Authority, bezahlen, erhalten einen Schlüssel für die sanitären Anlagen, schlendern durchs Dorf, und dem Meer entlang, gehen einkaufen, waschen und kommen so langsam hier an.

    Eine quirlige, nette Frau von der BorderControl besucht uns, nun dürfen wir 6 Monate in UK bleiben.


    Schönes Altstadtquartier in Stavanger

    Stavanger: ein Ständchen zum 1. Mai ab dem Traditionsschifff

    Stavanger by night

    Skudeneshavn

    Die Kreuzotter sind hier heimisch

    Schafe auf Skudenes

    Fensterdekoration

    Herrschaftlich in Espevær

    Espevær

    UFO Kreis auf Espevær

    Velo gelb

    Velo blau

    Røvær im Nebel

    Røvær. Segelausflug

    Utsira, Nordhafen

    Utsira. Schutzhaus aus Strandgut

    Gletscherlandschaft auf Utsira

    Wanderweg durch Sumpfgebiet

    in 36 Stunden wird hinter dem Horizont Shetland auftauchen

    die Nacht wird nicht ganz dunkel


      1. Mai Umzug made in Stavanger mit Oldtimer



        Titelbild

        In Norwegen findet man sehr viele ausgezeichnete Graffitis mit tiefgründigen, nachdenklichen, kritischen und heiteren Inhalten. Das Titelbild habe ich auf der Insel Utsira, westlich von Haugesund aufgenommen. "Erste Liebe" hat mich für einen Moment weit zurück in die Schulzeit versetzt.


        Bergen: rote Karte

        Harstad: die Fratze

        Stavanger: Überwachung

        Henningsvær: toter Vogel

        Stavanger: die Botschaft

        Utsira: tanzendes Mädchen

        Utsira: Vogelbeobachter

        Utsira: erleuchten

        Utsira: was wird wohl aus mir?

        Trondheim: der Cellospieler

        Utsira: auf dem Schaukelstuhl

        Natur bewahren